Percour

Grundsätzliches vorab

Ein Trakehner im Offenstall? Wie oft blicke ich in ungläubige Augen, wenn ich mit anderen Reitersleuten über die „Wohnsituation“ meines Pferdes spreche. Ja, ganz bewusst und voller Überzeugung. Ich frage die Ungläubigen, warum ein Warmblut nicht im Offenstall leben sollte, warum diese Haltungsform noch immer nur Ponys oder Kleinpferden zugesprochen wird. Hat ein Großpferd nicht auch ein Recht auf frische Luft, Bewegung, Spielen mit Kumpels, 24 Stunden Heu ad libitum, sich im Sand wälzen und einfach Pferd sein zu dürfen? Schließlich wünsche ich mir einen gesunden Freizeitpartner, der nicht nervig von links nach recht hüpft oder sich mit mir im Sattel erst einmal nach 23 Stunden in der Box austoben muss. Percour braucht auch keine Decke. Er bekommt Winterfell, ausreichend gutes Futter und kann sich, wenn er möchte in eine Hütte stellen-die besten Voraussetzungen, um bei Wind und Wetter hustenfrei durch die kalte Jahreszeit zu kommen.

Noch ein, wie ich finde unschlagbares Argument für die Offenstallhaltung: stell Dir vor es brennt…. Ein sehr unschöner Gedanke. Pferde im Offenstall hätten zumindest eine gute Überlebenschance, in der Box wären sie dem Tode geweiht.

Allerdings ist nicht Offenstall gleich Offenstall. Ich habe meine Pferde jahrelang in Eigenregie gehalten und weiß wie anstrengend es ist und an was alles gedacht werden muss. Bei Traupes stimmt alles. Das Platzangebot, die Unterteilung in der Anlage, verschiedene Sichtschutze, mehrere Heuraufen und Hütten, Toiletten, matschfreier Boden, beheizte Tränken und last but not least: jeden Tag wird gründlich saubergemacht. So viel zur Haltung im Winter. Im Sommer genießen die Pferde 24 Stunden Wiese. Kurz gesagt: hinter einem guten Offenstall stehen Menschen, die sich Gedanken machen und sich engagiert für das Wohl der Pferde einsetzten.

Einen Punkt, den ich an dieser Stelle auch noch erwähnen möchte, da sehr wichtig: nicht nur Percour soll es gut gehen, sondern auch mir. Ich habe bei Dagmar gelernt loszulassen und zu vertrauen. Wie gesagt-ich habe lange Jahre die Pferde in Eigenregie gehalten-da hatte ich so meine Vorstellungen und konnte sie umsetzen. Nun in der Pension, mache ich mir diese Gedanken nicht mehr und weiß, dass ich Familie Traupe absolut vertrauen kann. Jedes Jahr wird etwas am Hof oder in der Anlage zugunsten von Menschen und Tieren optimiert. Es geht immer um das Wohl des Tieres. Dagmar ist sehr verantwortungsbewusst und gibt sich jeden Tag sehr viel Mühe. Sie kontrolliert täglich den Gesundheitszustand der Pferde und greift bei Bedarf entsprechend ein.

Dies alles führt zu einer sehr guten Stallgemeinschaft. Jeder darf seine Meinung haben und sein Ding machen. Das heißt aber nicht, dass wir alle allein vor uns hin muckeln. Dagmar organisiert regelmäßig kleine Events. Jeder kann mitmachen, keiner muss. Das Schönste ist: Du kannst kommen, wie Du willst in no name Klamotte oder Pikeur, völlig egal-kein gezicke. Es gibt die „Gönnen können Mentalität“: Ob jemand hat einen neuen Sattel hat oder es mit dem Pferd gerade besonders gut läuft und alle freuen sich für dich, weil es einfach schön ist. Auch wenn es Dir nicht so geht, findest Du immer ein offenes Ohr.-Wie in einer Familie.

April 2018

Mein fast dreijähriger Trakehner Wallach muss umziehen. Bislang lebte er in einer Hengstherde bzw. nachdem er gelegt wurde in einer kleinen gemischten Herde. Er kennt sein Leben lang das Leben in der Gruppe mit viel Auslauf. Die letzten 1,5 Jahre Offenstallhaltung. Der Offenstall in Eigenregie war sehr zeitintensiv-vielleicht lag es an unserem Anspruch, dass die Versorgung der 4 Pferde ca. 3 Stunden pro Tag dauerte-da war das Pferd aber noch ungeputzt und auch noch nicht irgendwie bespaßt. Naja, ich wollte Percour gerne selber einreiten, die Frage war nur wann….Wer kennt es nicht Arbeit, Familie, Stallarbeit und nun noch eine adäquate Ausbildung des eigenen Pferdes hinbekommen.

Ich begab mich auf die Suche nach einem guten Offenstall. So traf ich im Internet auf die Homepage der Pferdepension Traupe. Ich nahm Kontakt mit Dagmar auf. Rasch gab es ein erstes Treffen. Ich war begeistert und sehr glücklich, als Dagmar mir ihr OK gab. Wir können im Mai einziehen.

Leider mussten wir Mitte April etwas überstürzt den „alten Stall“ verlassen-ein Anruf bei Dagmar und sie war sofort bereit Percour schon früher nach Amelsen zu holen-was für ein Glück!

Zusammenfassung 2018 bis 2023

Percour ist sehr gut in Amelsen angekommen. Es war neu für ihn in einer alters- und geschlechtergemischten Gruppe zu leben. Er macht viele Erfahrungen. Endlich habe ich Zeit mit ihm zu arbeiten.

Percour hat sich zu einem stattlichen Pferd entwickelt. Bei der Arbeit ist er stets motiviert und aufmerksam. Ich genieße die Freizeit mit Percour sehr. Wir gehen spazieren, ich longiere oder reite ihn, wir gehen in den Roundpen oder in den Trail, je nach Lust und Laune.

Er hat in den Jahren viele Pferde kommen und gehen sehen. Damit kann er noch immer nicht gut umgehen. In einem Pensionsstall lässt sich dies nicht vermeiden. Um ihm Veränderungen in der Gruppe leichter zu machen, bekommt er bei Bedarf homöopathische Mittel. In den Jahren hat sich Percour drei Mal so verletzt, dass er in die Krankenbox musste. Man könnte denken, dass dies ein Problem darstellen könnte-lebt er doch so lange schon im Offenstall. Aber nein, Percour hat die Zeit in der Box gut gemeistert. Dies liegt aber wohl auch an den zahlreichen Krankenbesuchen, die jeden Tag stattgefunden haben. Möglich ist dies, da die Krankenbox direkt an die Anlage schließt. So kann über die „Reling“ auch mal etwas gespielt oder der Rücken gekrault werden.

Innerhalb der Pferdegruppe hat sich viel getan. Am gravierendsten ist die Umstellung von gemischter auf eine reine Wallach-Herde. Ich empfinde Dagmars Entscheidung hierzu als sehr wertvoll. Die Gruppe ist bedeutend ausgeglichener und es gibt keine schlimmeren Verletzungen mehr.

Ich würde sagen, dass mein Pferd glücklich mit seiner Wohnsituation ist und das wiederum macht mich glücklich.

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