Kurz vorweg…

Ich habe mir für einen Moment in Erinnerung gerufen, wie ich bzw. meine Familie zur Offenstallhaltung unserer Pferde kam:

2007 war meine damals 15jährige Englische Vollblutstute Gina erneut derart lahm, dass wir entschieden sie in einen Offenstall zu stellen und nicht mehr „Reitpferd“ zu betrachten. Sie sollte schmerzfrei und gesund leben und vielleicht noch ab und zu einen leichten Ausritt absolvieren können. Für mich fühlte es sich damals wie ein Abschied an, denn ich war mir sicher, dass sich mein Pferd in der Herde zum „Wildpferd“ entwickeln und die Beziehung zu „ihren“ Menschen nicht mehr so brauchen würde….

Gina wurde wieder zum Reitpferd – auch wenn sie stets unsere Rücksichtnahme benötigte. Und ich wurde um die Erfahrung reicher nochmal eine ganz andere Beziehung zu meinem Pferd zu bekommen.

Meine Hannoveranerstute Samie kam 2011 als neues Reitpferd in die Familie. Die 4jährige Stute stellten wir in eine Boxenhaltung mit Auslauf, weil in unserem Offenstall nicht die Reitanlagen gegeben waren, um ein junges Pferd adäquat ausbilden zu können. Meine sensible, webende Stute, die schon sehr jung mit diversen Beinverletzungen zu tun hatte, verletzte sich erneut am Vorderbein. Nach vielen Monaten der Rekonvaleszenz aber nur wenigen Monaten der Gesundheit verletzte sie sich dann drei Beine gleichzeitig.

Seitdem steht Samie in kompletter Offenstallhaltung in der Herde. Ihre Ausbildung reicht von der Klassischen Dressur (geritten und am langen Zügel) über Springen, Freiarbeit und etwas Zirzensik. Eine ähnliche Beinverletzung kam seitdem nicht mehr vor…

Meine Schwester reitet erfolgreich bis zur Klasse M in Dressur, Springen und Vielseitigkeit. Ihre beiden Hannoveraner Rihanna und Monty wurden von ihr im Offenstall gehalten.

Mein 8jähriger Polnischer Warmblutwallach Olli kam vor drei Jahren zu uns. Ich weiß, dass er seit vier Jahren in Offenstallhaltung in der Herde lebt. Diese Haltungsform wollte ich nach meinem Umzug unbedingt für ihn beibehalten und gleichzeitig eine Reitanlage sowie ein Gelände zur Verfügung haben, um mein junges Pferd weiter gut ausbilden zu können.

Und so verschlug es uns nach Amelsen…

Woche 1

Olli hat die zweistündige Hängerfahrt gut überstanden. Zur Integration in die Herde steht er zunächst zwei Tage auf einem abgetrennten Stück satter Wiese neben den anderen Pferden. Mir ist es wichtig, dass mein schwerfuttriger Olli im Sommer ordentlich Gras zu fressen bekommt und im Winter Heu ad libitum. Das Kraftfutter bekommt er von mir dazu. Aber ohne das ständige Saft- bzw. Raufutter hätte ich kein leistungsfähiges Pferd.

Die ruhige Herde nimmt Olli gelassen auf. Und (toi toi) die Verletzungen bleiben aus.

Damit er Sicherheit bekommt arbeite ich ihn in dieser Woche jeden Tag: in Freiarbeit im Roundpen, an der Longe bzw. unter dem Sattel auf dem Platz oder wir gehen spazieren und lernen unsere neue Umgebung richtig kennen. Wenn sich schon sein Zuhause und seine Freunde ändern, dann möchte wenigstens ich für ihn beständig sein. Über die Arbeit erfährt er Lob und Erfolge, die für meinen nach außen so cool wirkenden und innerlich doch manchmal so unsicheren Olli unglaublich wichtig sind.

Woche 2

Immer noch keine Verletzung… nicht mal ein Biss… Ich sag es besser nicht laut…

Der rangniedrige Olli passt sich sehr gut an und gesellt sich ganz schlau zu den ruhigen Kollegen. Da er in keinster Weise eine Konkurrenz für die anderen darstellt und gleichzeitig den vorsichtigen Kontakt sucht, kommt er gut in der Gruppe zurecht.

Wir machen unseren ersten Ausritt mit Dagmar und Tucker (die „Portenhagener Runde“). So hatte ich mir das Gelände vorgestellt!

Woche 3

Immer noch keine Verletzung – ich bin so froh! Mein Pferd hat auch nicht abgenommen. Das passiert bei Stress schnell. Scheinbar hat er also auch keinen! Ich bin sehr erleichtert, dass Olli in seinem neuen Zuhause so gut angekommen ist. Ein schlechtes Gewissen hatte ich nämlich schon, dass ich ihn aus seiner vertrauten Herde reiße. Aber er scheint sich gut in seiner neuen einzufinden.

Er arbeitet willig und freut sich mich zu sehen – dann scheint die arme Pferdeseele ja keinen Schaden genommen zu haben!

Im Gelände geht’s diese Woche zur „Kalten Küche“: die minutenlange Galoppstrecke war das Beste!

Woche 4

Jetzt hat er doch ein paar Bissstellen, aber die darf ein echter Kerl ruhig haben. Es zeigt mir, dass die Pferde sich näher kommen – dann passiert so etwas.

Da der Sattler unseren Sattel mitgenommen hat, arbeiten wir hauptsächlich frei und an der Longe. Wir haben ja den Platz!