Püppi

Hallo ich bin Sophia und seit wenigen Wochen ist nun auch meine 9 jährige Reitponystute Püppi ein Teil der Herde. Gerne möchte ich euch an der (turbulenten) Zeit vor und während unseres Einzugs Teil haben lassen und von meinen Erfahrungen berichten.

Schon als ich 2016 davon hörte, dass in Amelsen ein Bewegungsstall gebaut werden soll war mein Interesse geweckt. Ständiger Sozialkontakt, viel Bewegung und ausreichend Heu – genau das wünschte ich mir für meine Pferde! Doch den Schritt in die Offenstallhaltung zu wagen traute ich mich zu dem Zeitpunkt noch nicht, zu groß war meine "Angst" vor dem Unbekannten. Was, wenn die Pferde nicht zur Ruhe kommen? Was, wenn sie nicht ans Heu gelassen werden?

Und so vergingen viele Monate in denen ich im Vorbeifahren immer wieder interessierte Blicke auf die Anlage der Traupes warf.

Januar 2018

Schlamm, schlechtes Heu, wenig Auslauf, gelangweilte und unzufriedene Pferde in den Boxen – mir reicht’s!

In den letzten Wochen habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, was eine artgerechte Haltung für mich bedeutet und wie es für meine Pferde weitergehen soll. Ich kann die Augen einfach nicht länger davor verschließen, dass bei uns etwas gewaltig schief läuft. Den ganzen Winter schon hat Püppi immer mal mit Husten, entzündeten Augen und Mauke zu kämpfen. Ganz zu schweigen von unzähligen Wunden die das Pony zierten, weil sie völlig unzufrieden durch die Gegend sprang und nicht verstand warum sie nicht wie im Sommer den ganzen Tag draußen sein kann. Eher zufällig stieß ich im Internet auf eine Anzeige von Dagmar in der sie schrieb, dass noch Plätze bei ihr im Stall frei seien. Kurzentschlossen schrieb ich ihr eine E-Mail und wir machten für die kommende Woche einen Besichtigungstermin aus.

04. Februar 2018

Heute war es soweit, der Besichtigungstermin stand an. Dagmar hat sich, trotz schlechten Wetters, viel Zeit genommen um uns alles zu zeigen und unsere Fragen zu beantworten. Zuerst gingen wir zu den Pferden auf die Anlage. Ich war überrascht wie ausgeglichen und zufrieden die Pferde, egal ob Jung oder Alt, dort ihrer Wege gingen. Ein paar Pferde kamen uns direkt neugierig entgegen, zwei Wallache spielten, andere standen an den Raufen und fraßen und wieder andere waren im Unterstand und schliefen. Genau in dem Moment wusste ich, DAS wäre das Paradies für meine Püppi. Im Anschluss wurden uns noch die Sommerweide und der Reitplatz gezeigt und ich versprach, mich in den kommenden Tagen bei Dagmar zu melden.

12. Februar 2018

Die letzten Nächte habe ich kaum ein Auge zu gemacht. Dass Püppi sich bei den Traupes wohl fühlen würde stand für mich außer Frage, doch ich habe Bedenken was mein zweites, inzwischen schon sehr altes und gesundheitlich angeschlagenes Pony angeht. Ich fuhr noch einmal nach Amelsen und sprach mit Dagmar über meine Ängste. Sie hat sich auch an diesem Tag wieder sehr viel Zeit genommen, doch letztendlich entschied ich mich aufgrund des Gesundheitszustandes meiner alten Dame erst mal gegen einen Umzug. Dagmar bot mir zum Abschied an, dass ich mich später gerne nochmal melden kann wenn ich nur noch Püppi habe.

Ende Juli 2018

Inzwischen ist mein zweites Pony gestorben und für mich steht fest – Püppi soll auf jeden Fall zu den Traupes ziehen! Also kontaktierte ich kurzerhand Dagmar, welche mir spontan den 02. August anbot. Ich habe mich tierisch darüber gefreut, dass noch ein Platz frei ist und dann ging alles ganz schnell…

02. August 2018

Vormittags waren Holger und Dagmar so nett und haben Püppi aus ihrem alten Stall abgeholt. Im neuen Zuhause angekommen ging es für Püppi und einen anderen Neuankömmling direkt auf die riesengroße Sommerweide. Dort war für die Beiden bereits ein Stück neben der Herde abgetrennt, damit sich die Pferde erst mal in Ruhe beschnuppern können. Anfangs gab es zwar ein wenig Gerenne auf beiden Seiten, doch kurze Zeit später stand Püppi bereits zufrieden am Heu und fraß. Ein Anblick der mich sehr freute, denn nach dem Tod ihrer Freundin war sie zuvor in sich gekehrt und knabberte nur widerwillig an ein paar Halmen Heu.

18. August 2018

Inzwischen ist Püppi schon seit zwei Wochen in die Herde integriert und fühlt sich pudelwohl. Oft sitze ich einfach nur bei ihr an der Weide und freue mich für sie. In den letzten Monaten hat sie durch meinen Rentner leider oft zurück stecken müssen und bekam nicht die Aufmerksamkeit die sie verdient hätte. Sie jetzt so glücklich inmitten der anderen Pferde zu sehen ist wunderschön und ich wünschte mir, dass ich mich schon früher getraut hätte den Schritt zu gehen, denn so ein Pferdeleben hätte sicher auch meinem Rentner gefallen und gut getan.

Jetzt steht der Herbst und somit der Umzug in die Anlage vor der Tür und ich bin gespannt, wie Püppi sich als Offenstallpferd machen wird…

Mai 2020

Inzwischen lebt Püppi schon seit fast zwei Jahren in der Herde bei den Traupes und es wird mal wieder Zeit für ein Update. Deswegen möchte ich zurückblickend von der vergangenen Zeit berichten:

Herbst 2018

Im Herbst 2018 ging es für die Herde von der Weide runter in die Anlage und das "richtige" Leben als Offenstallpferd begann. Zu Beginn brauchte Püppi eine Weile um sich einzugewöhnen und die Rangordnung der Pferde musste nochmal untereinander geklärt werden. Diese Zeit war für Püppi zum Teil recht anstrengend, aber mit der Zeit bildeten sich Freundschaften und Routinen, die ihr Sicherheit gaben.

Winter 2018/19

Nachdem Püppi sich blöderweise am Knie verletzt hatte und in der Krankenbox stehen musste, durfte sie endlich wieder zurück in die Herde. Entgegen meiner Befürchtungen, verlief die Rückkehr zu den anderen völlig problemlos und ohne großes Gerenne; Definitiv ein Vorteil der Anlagen angrenzenden Krankenbox, durch welche der ständige Kontakt zur Herde gewährleistet war.

Den Winter nutzte Püppi dazu, sich von ihrer Verletzung zu erholen, wobei uns der Offenstall eine riesengroße Hilfe war. Durch das Herdenleben war es ihr immer möglich, sich frei zu bewegen und trotz fehlender "Arbeit" und aktiven Aufbautrainings konnte sie durch die Bewegungsanreize und das Toben mit den Anderen gut an Muskulatur aufbauen.

Frühjahr 2019

Im April stand das Anweiden der Pferde vor der Tür. Schritt für Schritt wurde die Weidezeit gesteigert, bis es im Mai dann soweit war und die Herde auf die Ganztagsweide kam. Da Püppi aus gesundheitlichen Gründen nicht 24 Stunden auf der Weide stehen kann, blieb sie zusammen mit zwei weiteren Ponys in der Anlage und erhielt nur begrenzten Weidegang (4 Stunden).

Herbst 2019

Jetzt wird es wieder spannend; die zwei Herden kommen wieder zusammen. Da über den Sommer einige neue Pferde eingezogen waren, entschied Familie Traupe, die Zusammenführung nicht in der Anlage mit begrenztem Platzangebot, sondern auf der großen Sommerweide durchzuführen. Dies war auch für die Rehepferde kein Problem, denn zum Ende der Weidesaison stand auf der Weide kaum noch Gras und die Pferde fraßen hauptsächlich das in den beiden Raufen zugefütterte Heu.

Dort gewöhnten die Pferde sich für 3 Wochen aneinander, bis es anschließend zurück in die Anlage ging.

Frühjahr 2020

Für uns war es definitiv die richtige Entscheidung in den Offenstall zu gehen. Püppi genießt es total, den ganzen Tag draußen zu sein und selbst entscheiden zu können, was sie tun möchte, wodurch sie im Umgang deutlich entspannter und offener geworden ist. Auch den zweiten Winter haben wir gut im Offenstall überstanden, genauso wie den "Corona-Frühling", der das Pferdeleben trotz der bundesweiten Beschränkungen, aufgrund der durchdachten Planung der Traupes, nicht beeinträchtigen konnte. Jetzt freuen wir uns auf die kommenden langen Ausritte im Sommer…

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